19.08.2025
Von der Lotsenstelle bis zum Familienkiosk
Fachtagung zeigt Konzepte zur Unterstützung von chronisch kranken Kindern
Etwa 25 Prozent der Kinder im Schulalltag sind chronisch krank. So schreibt es die Deutsche Gesellschaft für Sozialpädiatrie und Jugendmedizin. Umso wichtiger ist es, dass sich Kommunen, Schulen und die Gesellschaft mit dieser Problematik auseinandersetzen. Einen Schritt in diese Richtung hat das Landesamt für Gesundheit und Arbeitsschutz Nordrhein-Westfalen (LfGA NRW) gemeinsam mit dem Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen (MAGS) gemacht: Mit der Fachtagung „Kinder mit chronischen Erkrankungen in der Kommune“ sind sie der Frage nachgegangen, wie gute Bedingungen für die Unterstützung von chronisch kranken Kindern und Jugendlichen in den nordrhein-westfälischen Kitas und Schulen geschaffen werden können.
„Ich nehme eine Vision mit: dass wir die Situation von chronisch kranken Kindern verbessern können“ – so klang das Fazit einer Teilnehmerin der Fachtagung. Knapp 100 Menschen kamen am 12. August 2025 im Audimax der Hochschule Bochum am Gesundheitscampus bei dieser Veranstaltung zusammen.
Sie richtete sich insbesondere an Beschäftigte von Kinder- und Jugendgesundheitsdiensten der Gesundheitsämter und an weitere kommunale Agierende in diesem Themenfeld.
Ziel war es zu erörtern, welche Unterstützungsangebote für chronisch kranke Kinder und Jugendliche in Kommunen bereits bestehen und wie Neue geschaffen werden können. Denn diese Gruppe steht im Alltag vor vielen Herausforderungen – angefangen bei der Suche nach einem Kitaplatz über die Teilnahme am Sportunterricht in der Schule bis zum Umgang mit der Krankheit in der Familie. Die Fachtagung sollte Erfahrungen bündeln, dabei helfen, Ideen weiterzuentwickeln und gemeinsame Perspektiven für eine verbesserte Versorgung eröffnen.
Insgesamt gab es zehn Vorträge zu verschiedenen Themen. Sie handelten von aktuellen Entwicklungen aus dem Land, chronischen Erkrankungen und deren Versorgung sowie Aufgaben, Möglichkeiten und Grenzen des KJGD. Die Referierenden stellten viele Praxis- und Fallbeispiele vor, so dass die Veranstaltung einen hohen Wert für die tägliche Arbeit hatte.
LfGA NRW stellt Lotsenstelle „Diabetes in Kita und Schule“ vor
Moderatorin Brigitte Büscher begann die Fachtagung mit einer Runde „Morgensport“ – sie stellte drei Fragen, zu deren Antworten die Teilnehmenden aufstehen sollten. So kam direkt Bewegung in den Hörsaal und die Anwesenden konnten sehen, wer von wo angereist oder in welcher Funktion jemand tätig war.
Das offizielle Grußwort übernahm Dr. Odile Mekel, Leiterin der Abteilung „Gesundheitskompetenz und kommunale Gesundheitsförderung“ am LfGA NRW. Heike Reinecke, Referatsleiterin „Öffentlicher Gesundheitsdienst, Kinder- und Jugendgesundheit“ des MAGS, stellte im Anschluss das „Handlungskonzept Diabetes des Landes NRW“ vor. Es hat zum Ziel, die Teilhabe von an Diabetes mellitus Typ 1 erkrankten Kindern und Jugendlichen in Kitas und Schulen zu verbessern. Einen Baustein davon setzt die Lotsenstelle „Diabetes in Kita und Schule“ am LfGA NRW um. Gabriele Brandt stellte das Förderprogramm für Aufklärungs- und Schulungsmaßnahmen von pädagogischem Personal zum Thema Typ 1 Diabetes vor. Diese Schulungen werden von (kinder-)diabetologischen Einrichtungen oder Vereinen durchgeführt. Außerdem ist die Lotsenstelle für Anfragen rund um das Thema Diabetes in Kita und Schule ansprechbar, beantwortet und hilft im landesweiten Kontext oder vermittelt Anfragen in die Kommunen. Dort kann aufgrund der Vielfalt von Strukturen, Ressourcen und Angeboten eine kindgerechte, individuelle Lösung gefunden werden.
Teilnehmende eint ein Wunsch: Teilhabe von chronisch kranken Kindern verbessern
Es folgten spannende Impulsvorträge und vielfältige Angebote für chronisch kranke Kinder aus den Gesundheitsämtern, vorrangig von den Teams der KJGD. In vielen Beiträgen wurden ähnliche Probleme angesprochen: Schwierigkeiten, aus „good-practice-Beispielen“ langfristig tragfähige Strukturen im Sinne von „best-practice“ zu schaffen, Personalstellen und Strukturen zu finanzieren, bestehenden Ängsten von Lehrkräften beim Umgang mit chronisch kranken Kindern angemessen zu begegnen und Probleme bei Koordination und Vernetzung der kommunalen Partner auszuräumen.
Was alle Teilnehmenden einte: Der Wunsch, die Teilhabe von chronisch kranken Kindern zu verbessern, Schulen, Kitas und Familien zu unterstützen sowie das Thema insgesamt präsenter zu machen. In mehreren Pausen zwischen den Vorträgen bei Snacks und Getränken nutzten die Anwesenden die Gelegenheit, an Stehtischen und vor einer kleinen Posterausstellung zusammenzukommen, sich auszutauschen und zu vernetzen. Am Ende der Fachtagung waren sich alle einig, viel Wissenswertes und vor allem neue Impulse mitgenommen zu haben.